Frühling

DIE VERSCHWUNDENE PUPPE








Die verschwundene Puppe

von Heinrich Seidel

Ach, was war das heute für ein Schreck!
Denkt Euch, Elizabeth ist weg.
Die schöne große Puppe,
gleich nach der
Morgensuppe,
da wollt ich eilig zu ihr gehen.
Oh weh, da war sie nicht zu sehn.

Ich hatte in den Wagen
doch selber sie getragen.
Und ihr das Kissen fein geklopft
und ihr die Decke ein gestopft.
Nun war das liebe Bettchen leer,
da schrie sie laut und weinte sehr.

So schön und heil war sie ja noch.
Sie hatte nur im Kopf ein Loch.
Auch fehlte die Perücke,
ein Arm ging ihr in Stücke,
die Nase war zerschmettert
weil sie so gerne klettert,
dabei vom Schrank gefallen war,
sonst war sie heil noch - ganz und gar.
 



Ach, niemand konnte mir sagen
wer sie davongetragen
die mir so lieb gewesen ist.


Bei Onkel Heinrich fragt ich an,
der dachte nach und sagte dann:
"Vielleicht hat sie der Weihnachtsmann
und heilt sie in der Klinik aus
in seinem Puppenkrankenhaus.
Dort kriegt sie viel Rhabarber ein
und wird dann wieder hübsch und fein.

Vielleicht kommt sie mal wieder
und hat dann heile Glieder,
ein neues Seidenkleid dazu
mit Spitzen, feuerrote schuh
und Locken wie von reinem Gold,
und ist so lieb und ist so hold
dass du sie gar nicht wieder kennst
und nur noch Frau Prinzessin nennst."
 

                                                                                                                                        PHOTOS JASMIN

Ach wenn das ist, ach wenn das wär,
da freut ich mich gar schrecklich sehr.
Und tischhoch wollt ich springen
und wollt ein Loblied singen,
dem lieben guten Weihnachtsmann
der alles hat und alles kann.