Wenn die Blätter treiben






Wenn die Blätter treiben

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
Und auf den Fluren laß die Winde los.




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Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.






Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

          Rainer Maria Rilke (1875 - 1926)





Erntedank




                                                 Ein Samenkorn 



Ein Samenkorn – ein Wunder!
Ins Erdreich fällt’s hinunter
und fängt dort im Geheimen
auch bald schon an zu keimen.
Im Körnlein schlummern Kräfte,
da wirken Lebenssäfte;
hervor sprießt eine Pflanze:
Ein Kunstwerk ist das Ganze!




Von all den vielen Samen
weiß ich nur wenig Namen,
weshalb ich mich bescheide,
zu reden von Getreide!
Schon viel zu sagen wäre
zu Wurzel, Halm und Ähre;
vor allem: Wer kann Leben,




Gestalt und Wachstum geben?
Das ist ein großer Meister.
Gott ist’s, und Schöpfer heißt Er.
Auf wunderbare Weise
sorgt Er für unsre Speise,
gibt Brot aus Weizen, Roggen,
aus Hafer feine Flocken,
schenkt Fülle an Getreide,
dass keiner Mangel leide!





Wenn Gott nichts wachsen ließe,
dass es der Mensch genieße –
wir würden bald verderben,
vor Hunger elend sterben!
Doch der einst sprach: „Es werde!“,
schafft Nahrung aus der Erde,
gibt Frucht und wieder Samen,
drum rühm‘ ich seinen Namen!



Du weißt






Du weißt, dass der Mond am Himmel steht,
die Erde sich um die Sonne dreht,
und allen Sternen wurde ihre Bahn gegeben.
Wer immer sich all das ausgedacht,
er wird es hüten Tag und Nacht
und auch sein größtes Wunderwerk
Dein kleines Leben.

              (Antoine de Saint-Exupéry)










das kleine  (Menschen) Leben






Auch wenn der Mond nicht immer scheint,
  der Himmel tausend Tränen weint,
und wo Sterne ihren Weg nicht finden.
Wenn die Erde brennt,  durch Menschenhand,
 die Glut die Nacht zum Tage macht.
Und hilflos "das kleine Leben" im Sand,
bleibt Hoffnung und Glauben 
an ein Leben lang.

                     Blümchen A.L.





Die goldenen Sterne prangen







Der Mond ist aufgegangen 



 Wie ist dieWelt so stille





Der Mond ist aufgegangen 

Der Mond ist aufgegangen,
 die gold'nen Sternlein prangen
 am Himmel hell und klar.
 Der Wald steht schwarz und schweiget,
 und aus den Wiesen steiget
 der weiße Nebel wunderbar. 


 Wie ist dieWelt so stille
 und in der Dämmrung Hülle
 so traulich und so hold!
 Als eine stille Kammer,
 wo ihr des Tages Jammer
 verschlafen und vergessen sollt.
 Seht ihr den Mond dort stehen?
 Er ist nur halb zu sehen
 und ist doch rund und schön:
 so sind wohl manche Sachen,
 die wir getrost belachen,
 weil uns're Augen sie nicht seh'n.

 Wir stolzen Menschenkinder
 sind eitel arme Sünder
 und wissen gar nicht viel.
 Wir spinnen Luftgespinste
 und suchen viele Künste
 und kommen weiter von dem Ziel.

 Gott lass' dein Heil uns schauen,
 auf nichts Vergänglich's trauen,
 nicht Eitelkeit uns freu'n!
 Lass' uns einfältig werden
 und vor dir hier auf Erden
 wie Kinder fromm und fröhlich sein!

 Woll'st endlich sonder Grämen
 aus dieser Welt uns nehmen
 durch einen sanften Tod!
 Und wenn du uns genommen,
 lass' uns in Himmel kommen,
 du unser Herr und unser Gott!

 So legt euch denn ihr Brüder,
 in Gottes Namen nieder;
 kalt ist der Abendhauch.
 Verschon' uns, Gott! mit Strafen
 und lass' uns ruhig schlafen!
 und uns'ren kranken Nachbarn auch!

        Matthias Claudius



Eines der schönsten Kinderlieder Der Mond ist aufgegangen- und eines der bekanntesten Gedichte
der deutschen Literatur, gefühlvoll gesungen und liebevoll animiert.
 Für Kinder ist Empathie
 und Nächstenliebe ganz normal, denn sie schauen mit dem Herzen.